Inspiration: Kolumne
WOHL ODER ÜBEL
Ich habe die Redewendung „wohl oder übel“ ein wenig unter die Lupe genommen. Wir „müssen“ etwas „wohl oder übel“ machen, durchstehen, akzeptieren, aushalten. Was auch immer – so ist es jedoch meist mit etwas eher Negativem verbunden. „Wohl oder übel“ klingt nach „keiner Wahl“. Etwas ist einfach so – und aus.
Dabei steckt in dieser Redewendung das Wörtchen „oder“ und dies zeigt eine Wahl auf. Akzeptieren, machen, durchstehen – JA. Aber das WIE ist hier in meinen Augen entscheidend – wohl oder übel. Ganz versteckt bekommen wir doch eine kleine, aber feine Wahl präsentiert. Diese wird oft übersehen – oder man „über-redet“ sie. Selten haben wir uns bei einem „Das muss ich wohl oder übel machen“ gefragt, ob wir in diesem Fall nicht „wohl“ wählen können oder sogar sollten.
Spontan mag es für uns unpassend wirken, dass sich in eine tendenziell negative Redewendung ein positives Wörtchen geschlichen hat.
Etwas machen müssen – aber zu unserem Wohl, mit Wohlbefinden, Wohlergehen, Wohlfühlfaktor und ganz viel Seelenwohl. Das klingt doch gleich (viel) positiv(er) und darf es auch sein – jetzt wo wir wissen, dass wir eine Wahl haben.
Eine Wahl zu haben, ist nicht immer und nicht für alle automatisch eine Wohltat. Denn eine Wahl verlangt eine Entscheidung. Und eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen, ist auch nicht immer beliebt. Wo es doch etwas Feines ist – wir entscheiden, ob unsere Einstellung zu etwas Unveränderbarem „wohl“ oder „übel“ ist. Ob unsere Sichtweise und unsere Haltung gegenüber Situationen, Menschen, ToDo’s wohl oder übel ist.
Wenn wir schon etwas akzeptieren müssen, dann doch bitte bestmöglich mit viel Wohl(fühlen und Wohlbefinden) und so wenig wie möglich Übel(keit).
Manchmal sind Tatsachen im Leben (leider) unveränderbar. Haltungen und Einstellungen hingegen schon. Wohl oder übel. Wir haben die Wahl – wie so oft. Dies ist definitiv nicht die leichteste Übung. Wir können die Situation nur indirekt beeinflussen. Fakten bleiben, Einstellungen können wir selbst einstellen und verändern. Dies ist meist ein Prozess, der Bereitschaft, Training und Willen fordert. Ob sich all dies lohnt – probieren wir es doch einfach aus – für unser eigenes Wohl. Gutes Gelingen und viel Zuversicht und Mut dafür wünsche ich uns von Herzen!
