Inspiration: Kolumne

UNFAIRE VERÄNDERUNGEN

Ich erinnere mich noch, als ich im März den Artikel in diesem Magazin über „Angsthasen“ und das Thema Veränderung geschrieben habe. Und was uns hilft, besser mit Veränderungen umzugehen. Sinngemäß und zusammengefasst: Ein positiver Blickwinkel und dass wir die Möglichkeiten der (beklemmenden) Situation erkennen. Neugier und Offenheit als weitere Zutaten. Und dass wir versuchen sollen, die Veränderungen aktiv mitzugestalten anstatt wie gelähmt zu verharren. Ich habe vor einigen Wochen die Gelegenheit bekommen, meine Tipps selbst anzuwenden.

Ein schwerer Verkehrsunfall, in den ich als Mitfahrende verwickelt und schwer verletzt war und bei dem mein Lebensgefährte verstorben ist. In meinem Leben hat sich mit einem Wimpernschlag alles verändert und ich versuche nun Tag für Tag bestmöglich auf die Veränderung zu reagieren. „Bestmöglich“ bedeutet im Übrigen nicht, dass ich gut gelaunt durchs Leben hopse und auch nicht, dass ich die Tatsachen ok und fair finde – ganz im Gegenteil: ich bin zutiefst traurig und auch ein bisschen enttäuscht, weil ich das Geschehene schlichtweg ungerecht und unfair finde. Ich lese momentan viel und habe für mich (und nun auch für euch) ein paar Punkte zum Umgang mit (unfairen) Veränderungen rausgepickt.
Akzeptieren, was ist. Als ob das so leicht wäre. Dennoch ist es definitiv der erste und wichtigste Schritt. Ändern können wir die Tatsachen nicht – und je mehr wir dies versuchen oder in den Widerstand gehen – umso mehr Energie und Kraft kostet uns das. Unsere eigene Energie, die wir sehr gut für anderes brauchen können.
Negative Gedanken über die Zukunft weg. Auch das ist nichts für Anfänger, finde ich. Ganz schnell kippt man rein in Gedanken à la „Werde ich je wieder glücklich? Werde ich je wieder ganz gesund? Werde ich das überhaupt schaffen?“ Wir Menschen sind wahre Talente, wenn es darum geht, sich auszumalen und vorzustellen, was nicht alles (negatives) passieren könnte. Das wenigste davon tritt jemals ein. Selten malen wir uns die Zukunft zu positiv aus. Warum eigentlich?
Das „Geschenk“ an der Veränderung finden. Wie soll das funktionieren? Wenn einem doch gefühlt gerade das größte Geschenk für immer genommen wurde. Oft sind die „Geschenke“ (oder der „Sinn“ dahinter) etwas versteckt oder verborgen. Früher oder später zeigen sie sich – in Form von Lektionen, neuen Gelegenheiten, Lernprozessen, Erfahrungen und einem „näher zu uns selbst kommen“. Ich darf bereits die Wohltaten dieser kleinen „Geschenke“ verspüren und bin sehr dankbar dafür. Wenn ich schon in so einer unfairen Veränderungssituation lande, darf es wenigstens Geschenke dafür geben – und davon bitte gerne reichlich!
Kleine Schritte gehen. Ja, das passt für mich gut – da es aufgrund meiner umfangreichen Verletzungen (auch im linken Bein) ohnehin nicht möglich ist, große Schritte zu machen oder gar schnell zu gehen. Im übertragenen Sinn ist natürlich gemeint, dass man es gemächlich angeht. Einen Schritt nach dem anderen. Dabei konzentrieren und im Rahmen des Machbaren bleiben. Dadurch entsteht das Gefühl der Sicherheit und somit weniger Angst vor den Tatsachen. Klingt logisch und so fühlt es sich auch an für mich.
Unterstützung annehmen. Ein heikler Punkt. Ich bin eher der Typ „das schaffe ich schon (alleine).“ Allerdings habe ich hier in den letzten Wochen viel lernen dürfen. Denn ohne Unterstützung und Hilfe wäre ich aktuell schlichtweg aufgeschmissen. Ich bekomme so viel Support angeboten – aus nah und fern – von Menschen, mit denen ich nicht gerechnet hätte – es ist überwältigend und ich bin sehr dankbar, gelernt zu haben, Hilfe anzunehmen. Auch die mentale Unterstützung ist gemeint. Dass mir Kraft geschickt wird, Mut zugesprochen, dass ich motiviert werde und mich Menschen positiv begleiten.
So geht Veränderung. Fair ist hier nichts. Verändert ist alles. Und das Einzige, was bleibt, ist die Trauer um Josi. Du fehlst mir!