Inspiration: Kolumne 

RÜCKSCHRITT ODER VORFALL

Ein Rückschritt ist nicht immer ein Rückschritt. Sondern manchmal nur ein Vorfall. So weit so unklar? Dachte ich mir spontan auch, als meine Therapeutin diesen Satz zu mir sagte, als ich ziemlich aufgelöst kürzlich zu ihr kam und ihr erzählte, was vorgefallen sei und dass alles dadurch plötzlich wieder ganz schlimm und schlecht sei (ja, diese Gedanken und Gefühle sind menschlich). Ich fühlte mich wie vor einem Jahr – wie ganz am Anfang nach dem Unfall – als wären alle meine (Fort)Schritte nie gewesen.

Nach unserem Gespräch sah ich vieles anders – und deutlich klarer. Alles, was im letzten Jahr passiert ist, alles, was ich bisher geschafft habe – physisch und mental, BLEIBT! Ein Vorfall darf uns aus der Bahn werfen – auf jeden Fall! Dies beruhigte mich sehr. Und Vorfälle sind KEINE Rückschritte, sondern eben nur Vorfälle. Dinge passieren. Das ist normal. Das ist das Leben. Und der April macht, was er will. Wir müssen nicht alles davon persönlich nehmen. Nicht alles hat tatsächlich mit uns zu tun. Wenn es mal regnet, wird eine Pflanze animiert und motiviert zu wachsen. So könnte es auch für uns Menschen sein. Immer wieder kommt die Sonne. Versprochen! Also Kopf hoch – dann steigt die Chance, dass sie uns direkt ins Gesicht scheint.

Wir können Vorfälle auch zum Schwung holen nehmen und als Anlauf nützen. Damit meine ich nicht das Motto „jetzt erst recht“, sondern ein Stück weit mehr ein entspanntes „Jetzt erkenne ich einiges klarer!“ vielleicht sogar DANK des Vorfalls. Und darf beschwingt und etwas „er-LEICHT-ert“ (im wahrsten Sinne des Wortes) meinen Weg fortschreiten. Vorfälle öffnen Augen, wir werden wachsamer und aufmerksamer dadurch und erkennen Tatsachen (wenn auch mal schmerzhafte) besser. Klarheit kommt und bringt Erkenntnisse, Heilung und Wachstum. Genauso macht es der Regen in der Natur – danach ist alles wieder frischer, oft schöner und kann besser wachsen. So möge es auch für uns sein. Vorfälle positiv zu sehen, ist nicht immer einfach, aber langfristig können sie uns unterstützen, klarer zu werden und letztendlich daran zu wachsen. Betrachten wir sie also nicht automatisch als Rückschritt – vielleicht verbirgt sich ein Fortschritt dahinter. Viel Freude beim Gehen auf unserem ganz persönlichen Weg – mit all seinen abenteuerlichen kleinen und großen Schritten!