Inspiration: Kolumne

(GE)DULDEN

Das Wort Geduld löst bei manchen Menschen schon beim Lesen oder Hören Augenrollen und Schnappatmung aus. Warum geht’s schon wieder um Geduld? Weil es ein Thema ist, das uns (offenbar) alle – oder zumindest sehr viele – betrifft. Besonders „betroffen“ sind wir davon, wenn wir uns in kniffligen, herausfordernden Lebenssituationen befinden. Denn aus diesen wollen wir ja erfahrungsgemäß so schnell wie möglich raus – am besten sofort und mit Schwung. Gerade da ist oft Geduld gefragt bzw. hilfreich. Gerade da, wo es am schwierigsten ist.

Geduld ist eine meiner Schwächen. Immer schon. Ich bin eher der Typ „höher schneller weiter mehr“. Mehr in kurzer Zeit und auf eigene Faust. Vieles erleben, erreichen, erledigen, machen und schaffen. Für mich war dieses „viel“ nie „zu viel“. Ich glaube, ich bin von Natur aus so gebaut und es hat mich nie belastet, so aktiv zu sein. Ganz im Gegenteil. Verstanden haben das nie viele – schon gar nicht alle. War aber auch nicht notwendig (für mich). Mein Leben, mein Tempo, Punkt.

Auch jetzt ist es noch immer mein Leben und mein (mittlerweile neues) Tempo. Es ist ein ganz anderes Tempo, an das ich (so wie alle Menschen um mich) mich gewöhnen darf. Vieles kann ich aktuell gar nicht schaffen. Nicht mehr. Oder nicht mehr in der Zeit (von früher). Oder noch nicht. Manches möchte ich auch gar nicht mehr schaffen. Veränderung bringt Veränderung. Und manchmal auch Geduld. Das klingt so, als würde mir nichts anderes übrigbleiben. Aber ist es nicht oft so im Leben, wenn man Dinge nicht ändern kann, dass man am besten beraten ist, sie so anzunehmen, wie sie sind (ja, das Thema hatten wir schon öfter). Nun brauche ich die Geduld, das anzunehmen, was ist – UND die Geduld, zu lernen, geduldig zu bleiben, bis ich annehmen kann, was ist. Ein sehr herausfordernder Lernprozess, der mich dermaßen viel Energie kostet, dass ich automatisch keine Zeit mehr habe, mehr zu machen, erledigen oder schaffen, als das, was gerade ist.

Beim genaueren Betrachten vielleicht sogar ein Schritt in Richtung „einfach sein“. Und das klingt nach einer großen, wertvollen Erkenntnis. Eine gewisse Ruhe macht sich manchmal schon in mir breit. Es „muss“ gar nicht viel sein – das, was ist, reicht. Und vielleicht lebt es sich mit dieser neuen Einstellung ein großes Stück weit gelassener, entspannter und somit geduldiger. Ich werde es euch wissen lassen, wenn ich dort angekommen bin. In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen erholsamen und entspannten Sommer – und viel Geduld mit dem Wetter.