Inspiration: Kolumne
„EINFACH“ LOSLASSEN
Einfach loslassen ist nicht immer so einfach. Gerade in der Vorweihnachtszeit, wo wir uns mehr wünschen als loslassen wollen. Wir tendieren ein Stück weit immer zum „Mehr“ – auch wenn ein (bei mir nicht sehr beliebtes) Sprichwort besagt: „Weniger ist mehr.“ Ich finde, weniger ist schlicht weg weniger. Und möchte ein bisschen dahinterkommen, warum weniger auch einfach(er) zufriedenstellen kann.
Das Gegenteil von Loslassen ist Festhalten. Etwas festhalten kostet erfahrungsgemäß Kraft, Energie, Focus und jede Menge Anstrengung. Woran halten wir gerne fest? Oft (zu) viel und (zu) lange. Um ein paar Beispiele zu nennen – in der Annahme, dass sich viele wiederfinden werden: an (schlechten) Gewohnheiten, an (alten) Zeiten, an (sinnbefreiten) Routinen, an (wiederkehrenden) Mustern, an (festgefahrenen) Traditionen, an Dingen (oft Gerümpel genannt), an Einstellungen und Haltungen, die wir ohnehin schon lange ändern wollten – und an Menschen, die nicht mehr zu oder für uns passen, die uns nicht (mehr) guttun, und auch an Menschen, die nicht mehr unter uns sind. So gesehen wirkt das Festhalten schon fast wie eine Tradition, eine Gewohnheit und ein Muster. Und so machen wir das konsequent und mit mehr Ausdauer als der Sportvorsatz jährlich im Jänner jemals von uns geschenkt bekommt. Warum? Vielleicht, weil das Loslassen weder die beliebteste noch die einfachste Übung ist.
Welche Vorteile bringt das Loslassen (um sich ordnungsgemäß auf das Positive zu fokussieren)? Man hat die Hände frei. Punkt.
Eigentlich könnte der Artikel hier schon enden. Aber ein paar meiner Gedanken möchte ich noch teilen. „Die Hände frei haben“ ist sinngemäß gleichgesetzt mit „Nur mit leeren Händen können wir empfangen“. Was wohl wahr ist. Und „Empfang“ zu haben ist heutzutage etwas sehr Wichtiges. Erreichbar sein, um handlungs- und entscheidungsfähig zu bleiben. Um beweglich und lebendig zu sein und werden. Um in Verbindung zu bleiben – mit der Außenwelt und mit unserer ganz persönlichen Innenwelt. Ich würde fast meinen, wir „müssen“ so manches loslassen, damit wir frei sein können – wieder Leichtigkeit verspüren dürfen, Erleichterung erfahren. Frei sein ist einer unserer tief menschlichen Werte. Tun wir uns doch in der Vorweihnachtszeit selbst den Gefallen und schaffen uns Freiraum, Freizeit und somit die Freiheit, wieder zu uns selbst zu kommen – bestenfalls mit leeren Händen, damit wir unter dem Christbaum viel wundervolles empfangen können. Alles Gute dafür wünsche ich uns allen von Herzen!
