Inspiration: Kolumne
COOL BLEIBEN
Bei den heurigen Hitzewellen kommen viele von uns des Öfteren ordentlich ins Schwitzen. Überall findet, hört und liest man Tipps zum „Cool bleiben“ – viel Trinken, nicht in die pralle Mittagssonne, Kopfbedeckung, Sonnencreme usw. Ventilatoren und Klimageräte sind längst vergriffen, Homeoffice ist out (wenn klimatisiertes Büro vorhanden) und es gibt ein neues Smalltalk-Thema Nummer 1.
Hitzige Gemüter hingegen kommen auch ohne hohe Temperaturen ins Schwitzen. Diese Gattung von Menschen regt sich gerne auf, ärgert sich oft und schimpft tendenziell rasch über viele(s). Ich bin der Meinung, auch dieses „heiß sein“ verträgt ein paar Tipps zum Abkühlen – und zum Cool bleiben (bzw. erst mal werden).
Das Konzept ist recht simpel – sich über Dinge/Menschen/Situationen zu ärgern, die wir nicht ändern können, ist S I N N L O S! Hat man dies verinnerlicht (was keine leichte Aufgabe ist), kann man loslegen mit dem Üben. Trainingsgelegenheiten gibt es mehr als genug. Denken wir doch ans Autofahren mit viel Verkehr und die interessanten Fahrtechniken einiger Verkehrsteilnehmer:innen. Oder im öffentlichen Verkehr – Menschen, die laut telefonieren, sich in voller Lautstärke unterhalten, die drängeln. Stellen wir uns kurz lange Schlangen an Kassen vor – oder generell die Tatsache, dass wir warten müssen (auf Freunde, auf Züge, aufs Bezahlen). Fußball, Regierung, Wetter – die Liste kann nach Belieben und oft endlos fortgesetzt werden. Jede:r von uns hat spezielle Vorlieben zum Ärgern und Aufregen – wenn die Erwartungshaltung und die Ist-Situation zu weit voneinander abweichen, geht es schon los in uns – je nach Typ mehr oder weniger.
Ich bin davon überzeugt, wenn wir das „Cool bleiben“ öfter trainieren, machen wir rasch Fortschritte. Funktioniert wie beim Sport. Die Gesellschaft liefert uns in der Tat ausreichend hitzige Situationen, die problemlos zum Üben herangezogen werden können. Die langfristigen Vorteile: Stresslevel (samt Blutdruck) sinkt, weniger (auch muskuläre) Anspannung, mehr Gelassenheit – ganz ohne Medikamente.
Ich tendierte früher zu einem eher hitzigen Gemüt – durch eine Vielzahl von (auch schmerzvollen) Erfahrungen, mit fortgeschrittenem Alter und jeder Menge Übung befinde ich mich auf einem guten Weg zu einer gelassenen Persönlichkeit. Soweit die Selbstdiagnose. Dies bedeutet für mich NICHT, dass mir alles egal ist. Ich versuche jedoch, meine Energie gezielt einzusetzen, überlege bewusst, wofür ich sie ver(sch)wende und entscheide eigenverantwortlich. Das macht mich oft sehr ausgeglichen und das tut mir richtig GUT! So mögen wir sämtliche Hitzewellen im Inneren und Äußeren gut überstehen und gut auf uns (und unsere Energie) achtgeben.
