Inspiration: Kolumne
ALL YOU NEED IS LESS
Brauchen wir alles, was wir haben? Haben wir alles, was wir brauchen? Ich für meinen Teil beantworte beide Fragen mit einem Nein. Aber eins nach dem anderen. Statt „All you need is Love“ (kurz nach dem Valentinstag) erlaube ich mir (mitten in der Fastenzeit), den Titel dieses Artikels mit „alles, was wir brauchen, ist weniger“ zu schmücken. Weniger? Aber wir wollen doch mehr! Von allem, was es gibt. Mehr Geld, mehr Liebe, mehr Shopping, mehr Wertschätzung, mehr Dankbarkeit.
Ich denke, wir dürfen lernen, dass Verzicht kein Verlust ist – sondern ein Gewinn (sein kann). Eine Redensart besagt: Wir kaufen Sachen, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen. Gar nicht so falsch, finde ich. Hier mal genauer hinzusehen (bei uns selbst, wohlbemerkt!), kann uns die Augen öffnen. Das, was wir wirklich brauchen, ist meist mit Geld nicht käuflich. Was fehlt uns Menschen denn? Was ist uns wirklich wichtig? Welche Wünsche, Sehnsüchte und Herzensangelegenheiten haben wir? Hier kommt selten etwas materielles zur Antwort. Seelische Lücken können nicht langfristig und nachhaltig mit materiellem Wert gefüllt werden. Es sind die „unbegreiflichen“ Werte, die wir uns wünschen, nach denen wir uns sehnen und die am Ende zählen.
Apropos Ende. Das Leben ist endlich (zumindest das irdische). Wann beginnen wir endlich zu leben? Gerade in der Fastenzeit streben die Menschen gerne einen Verzicht an. Wie wäre es also mit dem Verzicht auf den einen oder anderen Besitz. Mehr Sein statt Haben. Ein bisschen aufräumen im Leben, Seelenhygiene, ausmisten auf allen Ebenen. Weniger ist nicht mehr (für mich zumindest). Weniger ist weniger. Und das ist gut so. Alles, was wir brauchen, ist weniger zu haben und mehr zu sein. Das Wissen (und Bewusstmachen) über die Endlichkeit unseres Lebens kann zum Motor werden – zum Antrieb für das Suchen und Finden von einzigartigen Momenten, die das Leben bereichern – auf eine immaterielle Art und Weise, die uns mehr gibt und uns mehr berühren kann als jede Shopping-Tour. Wenn wir das wollen und zulassen. Ich denke, wir haben beide „Wölfe“ in uns – und es liegt (wie so oft) in unserer eigenen Verantwortung, welchen der beiden wir füttern. Dieser wird dann stärker.
Ich wünsche uns viel Bereicherung auf allen Ebenen beim Verzichten! (ohne Widerspruch in sich)
