Inspiration: Kolumne
ALLES ZU SEINER (UND IHRER) ZEIT
Das Gras wächst NICHT schneller, wenn man daran zieht. Gehe langsam, wenn du es eilig hast. Geduld ist die Stütze der Schwäche, Ungeduld der Ruin der Stärke.
Nur, um ein paar Klassiker gleich zu Beginn zu erwähnen. Wer kennt es nicht? Oft sind wir ungeduldig, es kann nicht schnell genug gehen – besonders, wenn wir etwas sehr wollen. Und dennoch heißt es oft: Warten! Abwarten, zuwarten, erwarten.
Die Erkenntnis, die Wartezeit selbst zu gestalten und vor allem zu entscheiden, wie wir sie gestalten. Nahezu eine Kunst. Die Qualität der Wartezeit liegt überwiegend in unseren Händen – ob diese eher ungemütlich (von Gedankenkreisen über Sorgen bis hin zu „Befürchtungen“) ist oder ob sich dieser Weg als angenehm und sogar schön anfühlt und wir das Beste aus der Zeit machen. Das liegt an uns – unsere Entscheidung, unser Einflussbereich (ja, das betone ich sehr oft – damit ich es selbst nicht vergesse).
Wie sich Wartezeiten anfühlen, ändert nichts an deren Dauer – lediglich an der inneren Stimmung und Laune während der (wohl gleichbleibenden) Dauer. Ist unser Stimmungsbarometer gut, so fühlt sich die Dauer erfahrungsgemäß kürzer an. Knurren und scharren wir innerlich, dauert es gefühlt oft ewig (und drei Tage). So dürfen wir lernen und versuchen, die Wartezeiten in unserem Leben zu nützen – für Gutes, Schönes, Lustiges, Herzerfrischendes. Und zu warten ist es ziemlich oft, wie viele von uns bestimmt nickend bestätigen können.
Alles zu seiner (und natürlich ihrer) Zeit – die grüne Ampel, der verspätete Zug, der erwartete Brief, die erhoffte Nachricht am Smartphone, der berufliche Erfolg, die Zusage bei einer Aufnahmeprüfung, das Ende einer Baustelle, der bevorstehende Urlaub (diese Auflistung lässt sich beliebig bis unendlich fortsetzen).
Übung macht den Meister und die Meisterin – auch im Wartezeit genießen lernen. Denn schließlich ist Wartezeit auch kostbare Lebenszeit. Und wenn wir diese ausschließlich mit ungenießbarer Laune verbringen, könnte es sein, dass das so lange Erwartete gleich wieder weg ist, wenn es unsere Stimmung sieht. Vielleicht denken wir das eine oder andere Mal (während des Wartens zum Beispiel) daran und versuchen, unsere Lebenszeit gut zu verwenden als sie für negative Gedanken und schlechte Stimmung zu verschwenden. Immerhin tun wir uns damit Gutes – sowohl mental als auch körperlich. Und warten müssen wir sowieso. Denn bekanntlich kommt alles (erst) zu seiner (und ihrer) Zeit.
